Urlaub in Togo
Im Land des Voodoo
Gerne nehmen wir euch mit auf unseren zweiten Teil unserer Reise durch Westafrika, nach Togo. Nach unserer Reise in Ghana haben wir nicht allzu viel neues erwartet. Jedoch wurden wir überrascht: Togo ist im Vergleich zu Ghana noch weniger entwickelt und auch kulturell deutlich anders geprägt als Ghana.
Unsere Togo Reise
Warum Togo?
Die ersten, oftmals unausgesprochenen Fragen, wenn wir über unser Reiseziel berichteten, waren: Warum Togo? Wo ist Togo? Das ist doch gefährlich und es gibt viele Krankheiten, usw. Da wir aber nach unserer Reise durch Südafrika und Swasiland das ursprüngliche und authentische Afrika kennenlernen wollten, informierten wir uns etwas genauer über diese Fragen. Ursprünglich und authentisch: Somit konnten wir bereits den Norden, die Safariländer im Osten und den Süden Afrikas ausschließen. Im Westen Afrikas sind viele Länder mit Reisewarnungen belegt, womit wir letztendlich zwischen Senegal, Gambia, Elfenbeinküste, Ghana, Togo, Benin und Gabun wählen konnten. Wir entschieden uns letztendlich für die Mitte: Ghana und Togo.
Wissenswertes über Togo
Zunächst einmal muss einem bewusst sein, dass Togo im Gegensatz zu vielen anderen Ländern über wenig Sehenswürdigkeiten verfügt. Auch auf Komfort sollte man sich bei einer Reise nach Togo nicht einstellen. Es gibt zwar ausreichend Hotels, der Standard liegt aber deutlich unter jenem, welchen wir in Europa gewohnt sind.
Dafür darf man ein absolut authentisches Land fernab allem, was wir gewohnt sind, kennenlernen. Auf unserer dreiwöchigen Reise haben wir kaum andere weiße Menschen gesehen, und wenn ja, waren diese Entwicklungshelfer. Urlauber oder Backpacker haben wir nicht gesehen.
Auf unserer Reise waren wir für viele Kinder die ersten weißen Menschen, welche sie je gesehen haben. Viele Kinder, aber auch Erwachsene, wollten uns einfach nur berühren, manche Kinder liefen aber auch weinend weg. Stichwort Kinder: Die gibt es in Togo ausreichend. Durchschnittlich gebärt eine Frau 4,9 Kinder und das durchschnittliche Lebensalter liegt bei circa 19 Jahren. Unsere Reise war vielmehr davon geprägt, die Kultur und Menschen kennenzulernen.
Togo hat viele verschiedene Landessprachen, aber Französisch ist die Amtsprache. Und auch diese wird von den Togoern nur schlecht beherrscht. Da wir aber ohnehin kein Französisch sprechen waren wir oftmals auf Google Translate angewiesen. Hier haben wir aber leider die Erfahrung machen müssen, dass viele Menschen in Togo nicht schreiben können. Somit blieben oft unsere Hände und Füße als Kommunikationsinstrument übrig. Aber auch das klappte meist ganz gut.
Die Menschen in Togo sind äußerst herzlich und wir haben uns von der ersten Minute an wohl gefühlt. Im Vergleich zu Ghana fühlte man sich allerdings doch häufig auch wie ein Walking ATM an, was wir aufgrund der Armut auch verstehen konnten. Auf unserer Reise waren wir auch gerne bereit, den Touristen-Aufschlag zu bezahlen, manchmal lag dieser dann aber doch beim 10-fachen des regulären Preises. Dann mussten wir doch etwas verhandeln, da auch unser Reisebudget limitiert war.
Auf einen Wohlfühl-Urlaub sollte man sich in Togo definitiv nicht einstellen. Aufgrund der oft schwierigen Suche nach Hotels und Transportmitteln in Kombination mit der eingeschränkten Kommunikationsmöglichkeit gestaltet sich eine Reise in Togo durchaus abenteuerlich.
Eines muss man in Togo immer beachten: Die Menschen mögen es nicht, wenn sie ungefragt fotografiert werden. Hier muss man immer ihre Zustimmung einholen oder zumindest etwas versteckt fotografieren.
Einkaufen in Togo
Die einzige Möglichkeit in Togo Produkte des täglichen Bedarfs einzukaufen, sind die Märkte entlang der Straßen. Geschäfte, wie wir sie kennen, gibt es nicht. Dafür gibt es praktisch an jeder Straßenecke Marktstände, außer man bewegt sich weitab der Zivilisation. Große Planungen sind hier also meist nicht nötig.
Stay connected in Togo
Im Vergleich zur restlichen Infrastruktur ist das Kommunikationsnetz in Togo fast überall gut ausgebaut. Wir nutzten eine E-Sim von Airalo und hatten überall Zugang zum World Wide Web, und das zumeist in richtig guter Qualität. Das erleichtert die Reiseplanungen natürlich enorm.
Wie arm ist Togo
Hier sollte man sich zunächst die Frage stellen, was „arm sein“ wirklich bedeutet. Um die Frage umzukehren: Ist es reich, wenn unsere Kinder von Generation zu Generation dicker werden und ihre Freizeit ausschließlich vor dem Computer verbringen? Oder ältere Menschen in Einsamkeit leben? In Togo gibt es im Grunde nichts zum kaufen, was nicht unbedingt zum (über) leben notwendig ist. Mit einer Ausnahme: Smartphones. Unser Gefühl war, dass die Grundbedürfnisse der meisten Menschen in Togo gedeckt sind und genug essen vorhanden ist. Dinge, welche nicht zum (über) leben nötig sind, gibt es selten. Computerspiele existieren nicht, womit die Kinder noch auf den Straßen spielen. Dicke Kinder gibt es natürlich nicht. Je städtischer, desto wohlhabender. Wobei wohlhabend hier wohl der falsche Begriff ist. Fernab der Städte hatten wir allerdings doch auch manchmal das Gefühl, dass die Menschen in Armut leben, also dass es auch an Essen mangelte.
Allgemein empfanden wir die Menschen, denen wir begegneten, glücklich und zufrieden. Insofern würden wir die Frage „Ist Togo arm“ mit nein beantworten.
Im Vergleich zu Ghana hatten wir allerdings leider den Eindruck, dass die Bildung der Kinder in Togo eine (noch) untergeordnete Rolle spielt. In Ghana war es den Kindern oft verboten, zu betteln. In Togo waren wir öfter mit bettelnden Kindern konfrontiert.
Kosten einer Togo Reise
Ein Urlaub in Togo ist verhältnismäßig teuer. Insbesondere die Kosten, welche man tragen muss, bis man überhaupt im Land ankommt, beliefen sich bei uns inklusive Impfungen, Medikamente, Flug und Visum bei circa 1.200 Euro pro Person. Im Land selbst haben wir dann circa weitere 400 Euro für 8 Tage pro Person benötigt. Hier muss erwähnt werden, dass wir Low-Budget-Reisende sind. Unten findet ihr eine Auflistung über die Kosten, welche ihr in Togo erwarten könnt.
- Flug: 1.000,00 (je nach Reisezeit auch günstiger)
- Visa: 110,00
- Medikamente: 150,00 (mit Malaria Prophylaxe)
- Hotels: 15,00 bis 40,00 für Doppelzimmer
- Transporte: kurze Strecken 1,00 – 2,00, längere Strecken bis zu 12,00 (nur öffentliche Verkehrsmittel, private sind natürlich teurer)
- Mahlzeiten: 6,00 (einfach Restaurants)
- Touren und Aktivitäten: 5,00 – 10,00
Optimale reisezeit
In Togo unterscheidet man nicht zwischen Sommer, Herbst, Winter und Frühling, sondern in Trockenzeit (November bis April) und Regenzeit (Mai bis Oktober). Im August gibt es ebenfalls eine kurze Trockenzeit. Grundsätzlich sind die nördlichen Regionen wärmer als die südlichen. Das Klima ist ganzjährig tropisch. Wir waren Ende Juli und Anfang August in Togo. Die Temperaturen waren mit ca. 27 Grad und meist bedeckten Himmel durchaus angenehmer als wir uns vorgestellt hatten. Zumeist konnten wir auch ohne Klimaanlage, nur mit einem Ventilator gut schlafen. Vereinzelte Tage waren regnerisch, aber nicht wirklich störend. Wenn wir nochmal Westafrika besuchen, wobei unsere Wahl hierbei vermutlich auf Sierra Leone fallen wird, wählen wir sicher wieder den gleichen Zeitraum aus.
Rucksack oder Koffer
Ganz klar, ein Rucksack. Bestenfalls nicht allzu groß, da man teilweise ganz schöne Strecken zurücklegen muss. Wir nutzten für unsere Reise 42 Liter Rucksäcke. Natürlich mussten wir mit unserem Gepäck aber sparsam sein.
Transport in Togo
Da wir Togo möglichst authentisch erleben wollten, nutzten wir ausschließlich öffentliche Verkehrsmittel. Das bedeutet in Togo in den Städten Taxi’s, Tricycles oder Mototaxi’s und über größere Distanzen zumeist Shared Taxi’s oder Minibusse. Da im Grunde alle Menschen in Togo öffentliche Verkehrsmittel nutzen, dachten wir, dass es relativ einfach sein wird von A nach B zu kommen. Zumindest war es das in unserem ersten Reiseziel Ghana. In Togo ist es, insbesondere in ländlicheren Regionen, ungleich schwieriger. Die größte Hürde bestand in der mangelnden Kommunikationsmöglichkeit und darin, die Bus Terminals zu finden. Hier ist Geduld gefragt und bestenfalls kein strikter Zeitplan. Die Fahrzeuge fahren in der Regel auch erst ab, wenn sie voll sind. Und voll heißt, übervoll! Auch an die Fahrtzeiten muss man sich in Togo gewöhnen und die Daten aus Google Maps liegen weit daneben.
Mototaxi’s können in den Städten schnell und einfach von der Straße geordert werden. Sie sind günstig und nehmen auch zwei Personen inklusive großer Rucksäcke mit. Die Fahrt mit Mototaxi’s ist aber mit Sicherheit die größte Gefahr in Togo und wir haben es nach einigen sehr gefährlichen Situationen nicht mehr in Anspruch genommen.
Tricycle’s sind insbesondere in Lome verfügbar, günstig und auch deutlich sicherer als Mototaxi’s.
Taxis können in den größeren Städten via Uber, Bolt oder noch günstiger via Gozem App geordert werden. Möglich ist es natürlich auch Taxis von der Straße weg zu ordern, meist aber auch etwas teurer.
Shared Taxis können ebenfalls von der Straße weg geordert werden und sind ebenfalls eine sehr günstige Möglichkeit von A nach B zu kommen. Man sollte sich aber auf sehr wenig Komfort einstellen. Den Beifahrersitz teilen sich 2 Personen, die Rückbank mindestens 4, eher 5.
Tro Tro’s sind Minibusse mit wenig Komfort. Viel Platz zum Beine strecken bleibt hier nicht. Auch der Zustand der Fahrzeuge, egal welcher Art sind häufig sehr, sehr schlecht. Die Tachos funktionierten z.b. in den seltensten Fällen. Wir hatten in Togo aber nicht die Gelegenheit mit einem Tro Tro zu fahren.
Abseits von vielen Fahrgästen, fungieren die Fahrzeuge aller Art auch als Materialtransport.
Togo und seine Strände
Die Strände von Togo sind wunderschön. Außer: Sie sind leider häufig komplett zugemüllt und das Plantschen aufgrund der extremen Strömungen lebensgefährlich. Während unseres gesamten Aufenthalts haben wir niemanden gesehen, der im Meer geschwommen ist. Auch muss man ständig schauen, wo man seinen nächsten Tritt macht, da auch die (kleine und große) Notdurft einfach am Strand erledigt wird.
Togo und der Müll
Der Müll ist leider auch im restlichen Togo ein großes Problem. Eine funktionierende Müllentsorgung scheint es nicht zu geben und Abfalleimer sind praktisch nicht existent. Alles wird einfach dort weggeworfen, wo man sich gerade befindet. Auch das war für uns eine ganz neue Erfahrung. Ein derartiges Ausmaß haben wir bisher auf unseren Reisen noch nicht erlebt.
Voodoo in Togo
Viele kennen Voodoo vermutlich aus Filmen. Wir assoziieren mit dem Voodoo die Puppe mit den Nadeln, was böses anrichtet. Das stimmt so auch, allerdings unterscheidet man im Voodoo zwischen „guten“ Voodoo’s und „bösen“ Voodoo’s. In Togo gibt es nur die guten. Hierbei erfolgt eine Opfergabe an die Voodoo’s in Form von Essen oder sonstigem, um zb. ein Haus zu beschützen oder die Erektion wieder herzustellen. Wir fanden die Geschichte durchaus interessant, aber auch etwas bizarr.
Unsere Reiseplanung
Während für viele Länder der Welt ausreichend Blogs, Reiseführer oder ähnliches zur Verfügung stehen, ist die Reiseliteratur für Togo eher dürftig. Wir kauerten uns durch die verfügbaren Quellen und orderten sogar den einzig verfügbaren Reiseführer. Restlos wurden unsere Fragen aber bis zu unserer Ankunft nicht beantwortet. Auch deshalb ist Togo vielleicht nicht das geeignete Land für einen ersten Backpacking Trip.
Impfungen
Den Startschuss unserer Reisevorbereitungen bildete die Auffrischung sämtlicher Reiseimpfungen. Insbesondere eine Gelbfieber-Impfung ist verpflichtend. Ohne dieser darf man weder in Ghana noch in Togo einreisen. Eine Auflistung sämtlicher empfohlener Impfungen findet man auf der Website des Tropeninstituts. Die größte gesundheitliche Gefahr geht von den von Moskitos übertragenden Krankheiten, beispielweise Malaria,Krim-Kongo-Fieber, Dengue-Fieber, etc., aus. Ausreichend Insektensprays mit hohem Deet-Wert sollte somit im Reisegepäck mit dabei sein. Im gesamten Land herrscht ganzjährig ein hohes Malaria Risiko vor. Die Mitnahme von Malaria-Tabletten ist somit obligatorisch. Ob diese prophylaktisch oder als Notfallmedizin eingenommen werden, muss jeder für sich bzw. mit seinem Arzt abklären. Wir haben uns für die prophylaktische Einnahme entschieden.
Flüge
Wir haben unsere Flüge auf Swoodoo gebucht. Insbesondere im Herbst und im Frühjahr gibt es hier recht günstige Flüge. Leider war unsere Reisezeit im Juli und im August und unsere Flüge dadurch auch etwas teurer. Gebucht hatten wir letztendlich einen Flug mit der Turkish Airline über Istanbul nach Accra. Wir sind anschließend über Land nach Togo eingereist. Air France stellt eine direkte Verbindung von Europa nach Togo zur Verfügung.
Visum
Für die Einreise nach Togo wird ein Visum benötigt. Dieses muss vorab online für EUR 40,00 beantragt werden. An der Grenze erhält man anschließend die Einreisegenehmigung. Das Verfahren war, im Vergleich zu Ghana, sehr einfach. Was man aber beachten muss: Der gleiche Online-Antrag muss auch für die Ausreise beantragt werden. Wir wussten das natürlich nicht und mussten dies noch schnell am Flughafen erledigen. Es werden aber Computer dafür zur Verfügung gestellt. Etwas mehr Zeit am Flughafen sollte dann aber dringend eingeplant werden.
Reiseroute
Nachdem die Impfungen, Visas und Flugbuchungen erledigt waren, ging es an die Detailplanung. Allzu viel planen wir auf unseren Reisen selten im Voraus. Einzig eine grobe Reiseroute legen wir fest. Auch die Transportmöglichkeiten, also die Möglichkeiten von A nach B zu gelangen, und die Buchungsmöglichkeiten von Hotels interessieren uns. Booking.com ist beispielsweise nicht überall nutzbar und wir buchten zumeist direkt vor Ort. Andere Hotelgäste trafen wir auf unserer gesamten Reise kaum. Da wir auf unserer Reise auch Ghana besuchten, haben wir uns in Togo auf den südlicheren Teil konzentriert und versucht allzu lange Fahrten zu vermeiden. Unsere Reiseziele waren Lome, Kpalime, Notse, Togoville und Aneho.
Da wir in unseren Urlauben gerne viele verschiedene Regionen besuchen und stets auf Achse sind waren 8 Tage für den Besuch des südlichen Togos ausreichend. Wenn man es lieber etwas gemütlich angeht, sollte man allerdings eher mit 14 Tagen rechnen. Möchte man auch die nördlicheren Regionen besuchen, sollte man eher drei Wochen einplanen.
Los geht's
Tag 1: Ankunft in Togo & Weiterreise nach Kpalime
Da wir zuvor bereits Ghana besucht hatten, sind wir über Land am Grenzübergang Aflao nach Togo eingereist. Dank unserer online beantragten Visas waren die Einreiseformalitäten recht rasch erledigt. Bei der Einreise wird auch der Gelbfieber-Nachweis verlangt. Ohne diesen darf man in Togo nicht einreisen. Der internationale Impfausweis ist hier ausreichend. Anschließend wechselten wir unsere ghanaischen Cedis in CFA-Francs und sprangen auf eine Mototaxi, welches uns in wenigen Minuten in das Herz der Hauptstadt Lome brachte. Dort haben wir mit deutlich besserem Wechselkurs Geld vom ATM abgehoben. Anschließend begaben wir uns auf die Suche nach einer Transportmöglichkeit nach Kpalime ins Landesinnere. Hier merkten wir auch das erste Mal, dass der Transport in Togo deutlich komplexer ist als in Ghana. Wir benötigten ein Tricycle, welches uns aber auch nicht an den richtigen Ort brachte und ein weiteres Taxi, bis wir an einer vielbefahrenen Straße am Gehsteig ein Shared Taxi fanden, welches uns dann in 3h nach Kpalime brachte.
Dort angekommen checkten wir im Hotel Ganiela ein und spazierten noch etwas durch Kpalime. Kpalime liegt auf einem Hochplateau und ist so etwas wie ein Urlaubsort für die Menschen aus Lome. Es war auch tatsächlich ein recht schönes Städtchen, wobei die Infrastruktur vergleichbar mit den restlichen Landesteilen war. Wir genossen das Flanieren in der Stadt. Auch erlebten wir hier bereits den deutschen Einfluss aus der Kolonialzeit vor 1915. Die Deutschen errichteten hier eine wunderschöne Kirche.
Tag 2 in Kpalime & Trekking am Mont Agou
Als leidenschaftliche Bergsteiger durfte für uns natürlich die Besteigung des höchsten Berges von Togo, dem 978 Meter hohen Mont Agou, nicht fehlen. Von Kpalime aus orderten wir ein Mototaxi, welches uns zum Fuße des 15 Kilometer entfernten Mont Agou brachte. Dort muss man vor der Besteigung ein Ticket lösen, welches anschließend knapp unterhalb des Gipfels einem Soldaten vorgezeigt werden muss, um letztendlich auch die letzten Meter hoch gehen zu dürfen. Es gibt zwei Wege zum Gipfel: Eine asphaltierte Straße und einen Wanderweg durch Dörfer. Wir entschieden uns für den Wanderweg. Die Dörfer die wir dabei durchquerten waren wirklich atemberaubend schön und auch die vielfältige Pflanzenwelt und der Ausblick waren grandios. Ausreichend Wasser sollte mitgenommen werden, da der Aufstieg sehr schweißtreibend ist. Unterwegs schloss sich noch ein lokaler Student bei uns an und durchlöcherte uns mit 1000 Fragen. Am Gipfel lernten wir vom Soldaten, dass es einen französisch und einen deutschen Gipfel gibt. Die Deutschen waren der Meinung, dass der höchste Punkt woanders liegt, als jener, welcher von den Franzosen als höchster Punkt definiert wurde.
Für den Abstieg entschlossen wir uns für die Asphaltstraße in der Hoffnung, eventuell ein Mototaxi zu finden. Nach kurzem Abstieg hatten wir auch Glück dabei. Hier hatten wir aber auch die erste, sehr unangenehme Fahrt mit weit überhöhter Geschwindigkeit auf einer unübersichtlichen Straße. Nur mit Glück konnte unser Fahrer einem entgegenkommenden Fahrzeug ausweichen. Zurück in Lome wechselten wir das Mototaxi und begaben uns Richtig Westen nahe zur ghanaischen Grenze. Dort liegt der Mont Kloto, welcher ebenfalls schön eingebettet in den waldigen Hügeln rund um Kpalime liegt. Der Aufstieg war hier verhältnismäßig einfach und kurz, aber nicht weniger schön. Anschließend ging es retour nach Kpalime ins Hotel Ganiela.
Tag 3 in Notse
Da wir nun bereits wussten, wie schwierig die Bus Terminals in Togo zu finden sind, haben wir uns bereits am Vortag auf sie Suche danach gemacht. Und auch hier war es erst mit mehrmaligen Nachfragen möglich den richtigen Ort zu finden. Frühmorgens konnten wir bereits unsere Rucksäcke in den Kofferraum eines Shared Taxi’s werfen und dann, ja dann hieß es warten. Abgefahren wir bekanntlich immer erst, wenn das Fahrzeug „übervoll“ ist. Da unsere gewählte Route eher wenig frequentiert ist und es noch dazu ein Sonntag war, warteten wir zunächst zwei Stunden lang, ehe wir dem Fahrer den Ticketpreis für das gesamte Auto übergaben. Die Fahrt von Kpalime nach Notse war kurz, aber sehr abenteuerlich. Hier lernten wir, was es bedeutet auch nur etwas abseits der typischen Nord-Süd Route unterwegs zu sein. Für die 70 Kilometer Strecke benötigten wir circa 3h und wir wurden fast seekrank. Kaum ein Meter der Fahrbahn war nicht mit einem tiefen Schlagloch versehen. Unser Fahrer nutzte die circa 10 Meter breite Fahrbahn von links nach rechts zur Gänze aus, um eine möglichst schonende Route zu finden – erfolglos! Getankt wurde aus Flaschen …
Ebenfalls durchquerten wir einige Dörfer, welche weitab der Zivilisation lagen. Angekommen in Notse begaben wir uns in eines der einzigen Unterkünfte dieser Stadt und hatten natürlich Glück – es gab noch ausreichend Platz. Kein Wunder, wir waren wieder einmal die einzigen Gäste des Hauses.
Tourismus in Togo gibt es ohnehin kaum. So haben wir auf unserer gesamten Reise vielleicht 12 andere weiße Menschen gesehen, welche allesamt Entwicklungshelfer waren, und keine anderen Backpacker, wie wir es waren und auch alle Unterkünfte in Togo hatten wir für uns alleine. In Notse waren wir nun aber tatsächlich weit ab dessen, was man als touristisch bezeichnen würde. Beim Flanieren durch die Straßen und Märkte hatten wir auch durchaus ein etwas beklemmendes Gefühl, da hier die Armut doch deutlich spürbar war. Ein Platzregen verwandelte dann auch noch die Sandstraßen ins rutschige Achterbahnen. Asphaltierte Straßen oder gar schöne Häuser gab es hier nicht. Wenn auch ihr Notse besuchen möchtet, solltet ihr doch vorgewarnt sein. Es kann durchaus auf den Magen schlagen.
Tag 4 und unsere Reise in die Voodoo-Stadt Togoville
Nach einem langem Marsch mit unseren Rucksäcken durch Notse zur Hauptstraße, welche sich vom Süden bis in den hohen Norden zieht, fuhren wir mit einem Shared Taxi in circa 3h zurück an den Stadtrand von Lome. Weiter ging es per Mototaxi in die Innenstadt. Hier hatten wir wieder ein gefährliches Erlebnis und legten einige Meter im Sidedrift zurück. Der Fahrer konnte einen Sturz zum Glück aber gerade noch so verhindern. Mit einem Shared Taxi ging es dann direkt weiter nach Agbodrafo. Hier kann man mit den traditionellen Fischerbooten, den sogenannten Pirogue, den See überqueren und landet direkt im kleinen Voodoo-Dörfchen Togoville. Mit einem Spaziergang durch das Dorf ließen wir den Tag ausklingen.
Tag 5 in Togoville
Für Togoville buchten wir einen lokalen Guide, welcher uns die Geschichte des Dorfes, aber auch vieles mehr über Togo, näherbrachte. In Togoville existiert auch noch das Eisenbahn-Netz, welches von den Deutschen vor 1915 errichtet wurde. Allerdings sind leider nur noch kleine Teile des früher bestehenden Netzes nutzbar. Auch waren die Einblicke in politische Themen interessant. Togo lebt ja praktisch in einer Diktatur und viele Menschen sind unzufrieden mit der Führung des Landes. Die Togoer erinnern sicher aber gerne an die Kolonialzeit der Deutschen zurück. In Togoville wurde 2015 ein Denkmal dafür errichtet. Viele Menschen in Togo sprechen sogar Deutsch, was uns doch sehr verwundert hat.
Anschließend überquerten wir wieder den See nach Agbodrafo und genossen einige Stunden am Strand. Die Weiterfahrt erfolgte auf der Ladefläche eines Tricycles zum Fischerdorf Aneho, knapp an der Grenze zu Benin.
Tag 6 in Aneho
Da das Ende unserer Reise langsam nahte, wollten wir es noch etwas gemütlich angehen. Wir spazierten durch das Fischerdorf und entlang der Küste in Richtung Benin. Da an der Grenze zu Benin entlang des Strandes weit und breit keine Grenzbeamten zu sehen waren, entschlossen wir uns auch Benin einen kurzen Besuch abzustatten. Da wir leider aber auf unserem Rückweg auf Grenzbeamte gestoßen sind, kamen wir etwas in Erklärungsnot. Die mangelnde Fähigkeit zu kommunizieren machte es natürlich nicht leichter. Wir wurden von einem Beamten zum anderen Beamten durchgereicht. Der letzte äußerste sich zu unsere Notlage mit einem verschmitzten Lächeln und ließ uns wieder in Togo einreisen. Am Ende des Tages verzehrten wir einen leckeren Fisch. Dieser sollte auf eurer Togo-Reise entlang der Küsten auf keinen Fall fehlen!
Per Mototaxi besuchten wir anschließend das Zentrum von Aneho und wurden leider enttäuscht, dass der große Markt geschlossen war. Weit und breit war nur der übrig gebliebene Müll zu sehen. Dafür gab es eine alte, von den Deutschen errichtete Kirche anzusehen. Hier konnten wir auch, vermutlich illegalerweise, den Kirchturm mit der Glocke begutachten. Auf unserem Weg zurück lernten wir noch einen Holzschnitzer kennen, welcher uns gleich seine Werkstatt und seine Produkte zeigte. Auch hier in Togo erfuhren wir unglaublich viel Herzlichkeit von den Menschen.
Tag 7 in Lome
Mit einem Shared Taxi ging es zurück zu unserem letzten Reiseziel Lome. Da die Hotelauswahl hier wieder etwas größer war, konnten wir uns für die Übernachtung eine zentrale Lage organisieren. Anschließend besuchten wir den Voodoo Fetischmarkt, bei welchem Opfergaben für die Voodoo’s zum Verkauf standen. Inbegriffen im Ticketpreis ist auch eine kleine Führung.
Den Weg retour in die Innenstadt traten wir zu Fuß an. Hier wurde uns bewusst, dass selbst in der Hauptstadt asphaltierte Straßen eher eine Mangelware sind. Angekommen am Grand Marche, welcher direkt am Meer liegt, bummelten wir eine Zeitlang auf der Suche nach diversen Souvenirs. Da es in Togo eigentlich nichts zu kaufen gibt, was nicht unbedingt nötig ist, muss man hier doch eine Weile danach suchen.
Tag 8 in Lome und Heimreise
Etwas müde und traurig über unsere bevorstehende Abreise besuchten wir den Fischmarkt in Lome, welcher etwas außerhalb der Stadt direkt am Meer liegt. Hier verkaufen die Fischer ihren Fang direkt weiter. Es war ein großartiges Erlebnis die Vielfalt an Fischen zu sehen. Auf unserem Rundgang wurden wir überall angesprochen und auch gleich zur Arbeit eingeladen.
Anschließend spazierten wir den Strand, welcher unmittelbar an der Großstadt liegt, entlang und kauften noch letzte Souvenirs am Grand Marche ein. Mit einem letzten Fischgericht verabschiedeten wir uns dann von Togo und machten uns auf den Weg zum Flughafen. Da unser Flug erst um 03:10 startete und unser Flug der einzige in der Nacht war, mussten wir leider vor den verschlossenen Toren des Flughafens ausharren. Nach einer sehr gründlichen Gepäckskontrolle wurden wir vom Grenzbeamten hingewiesen, dass wir auch für die Ausreise einen Visa-Antrag stellen müssen. Dafür stehen auch vier Computer zur Verfügung. Wenn ihr den Antrag auch erst am Flughafen stellt, würden wir euch zu etwas Zeitpuffer raten. Pünktlich um 03:10 Uhr hoben wir dann auf dem Weg nach Casablanca und weiter Richtung Istanbul und letztendlich München ab. Totmüde fielen wir um 22:30 Uhr Ortszeit in unseren Camper neben dem Flughafen.
Fazit zu unserer Reise
Togo ist definitiv kein touristisches Land und auch Sehenswürdigkeiten und schöne Landschaften, mit einigen Ausnahmen, sucht man hier vergeblich. Wenn ihr aber einfach an neuen Kulturen, Land und Leute interessiert seid und schon etwas Backpacker-Erfahrung mitbringt, ist eine Reise nach Westafrika sehr empfehlenswert. Am meisten Freude bereiteten uns die Menschen, welche trotz des schlechten Entwicklungsstandes in ihrem Land äußerst herzlich und offen zu uns waren. Praktisch an jeder Straßenecke wird man angesprochen und in das sehr sozial geprägte Leben der Menschen aufgenommen. Wir hoffen, wir konnten euch mit dem Lesen unseres persönlichen Reiseberichts etwas Freude bereiten.
Über uns
Dalma & Markus
Als gebürtige Ungarin und gebürtiger Österreicher leben wir im Salzburger Land inmitten der Alpen. Dalma ist selbständige Physiotherapeutin, Markus arbeitet im Sommer in einer Online-Marketing Agentur und im Winter als selbständiger Skiguide in Lech/Zürs am Arlberg. Abseits unserer Arbeit nutzen wir jede freie Sekunde, um die Welt etwas besser kennenzulernen. Unsere Reisen haben uns schon auf alle Kontinente dieser Welt verschlagen. Je exotischer, desto lieber sind uns unsere Reiseziele. Gerne könnt ihr uns auch über unsere Social Media Kanäle kontaktieren.